Aufruf aus Griechenland zum 19.01.2013

Antifaschistischer Aktionstag

Am 19. Januar 2013 werden wir die Straßen Athens mit Aktivisten und Aktivistinnen aus jeder Stadt und Nachbarschaft des Landes fluten – mit ArbeiterInnen und Jugendlichen, mit Menschen von jedem Arbeitsplatz und von jedem Ort der Bildung und Kunst. Wir werden die Stadt mit Musik, Gesängen und Reden einnehmen. Wir werden herausschreien, dass die Nazis nicht willkommen sind, und dass uns die rassistische Politik der Koalitionsregierung mit FRONTEX-Internierungslagern und der Verweigerung der Staatsbürgerschaft für die Kinder von Einwanderern ebenso erzürnt, wie die barbarischen Kürzungen, die Hunderttausende in die Erwerbslosigkeit treiben.

Wir können nicht hinnehmen, wenn jene Reichen und die Regierung, die die Armut aussäen, die zu immer mehr Selbstmorden führt und die Wohnungslose in die Warteschlangen der Suppenküchen schickt, die Schuld für die Krise auf Migranten und Migrantinnen abwälzten und sie zu Sündenböcken ihrer Politik macht – so wie Hitler einst die Juden für alles verantwortlich machte. Diese Politik führte zu Dachau und Auschwitz, in die Gaskammern und die Krematorien und zu Millionen von toten Juden, Roma, Kommunisten und Homosexuellen. Sie führte zu den Massakern des Zweiten Weltkriegs, zu den Nazi-Grausamkeiten in den besetzten Ländern wie Griechenland, zu den verbrannten Märtyrer-Städten, und zu den Toten von Kalavryta, Kokkinia, Chortiati, Kontomari, Viano, Distomo und anderen Orten.

Wir können nicht akzeptieren, dass Dendias’ Polizei (Minister für öffentliche Ordnung) Streiks und Demonstrationen mit Tonnen von Chemikalien angreifen und gleichzeitig den Neonazi-Sturmtrupps der Golden Dawn die Hand reicht bei der Organisation rassistischer Pogrome in den migrantenischen Stadtteilen mit Messerstechereien, der Zerstörung von Geschäften und dem Eindringen in Wohnhäuser. Es ist die gleiche Polizei, die Demonstranten einsperrt und, wie in Thessaloniki, in ihren Gefängnissen foltert – so, wie sie es mit den antifaschistischen Demonstranten der Motorrad-Demonstration tat. Ebenso widern uns vulgäre Angriffe gegen gegen Künstler wie im Fall des “Chitirion” Theaters und die Zensurmaßnahmen des Ministers mit Entlassungen und Kriminalisierungen von Journalisten an.

Wir können unsere Augen nicht vor den Tausenden von toten Flüchtlingen, von Frauen und Kindern, verschließen, die von den FRONTEX-Wachen in den Tod gejagt werden. Wir fordern, die Schmach der faschistischen Internierungslager und der rassistischen Operationen der griechischen Polizei zu stoppen. Migranten und Migrantinnen müssen legalisiert werden und die Flüchtlinge müssen Asyl erhalten, weil sie Opfer imperialistischer Kriege, Diktaturen und von vernichtenden Maßnahmen der IWF-Sparpolitik sind.

Ministerpräsident Samaras hat mithilfe des Verfassungsgerichtes, das die rassistischen Positionen der Neo Demokratia und von Chrysi Avgi aufgriff, das neue Gesetz, dass den in diesem Land geborenen Kindern von Migrantinnen die Staatsbürgerschaft verweigert, in großer Eile durchgepeitscht. Dadurch werden tausende von Kindern, die in unseren Schulen lernen, illegal wenn sie 18 werden. Sie werden aufgefordert, zurück in das Land ihrer Eltern zu gehen, wo sie selbst nie gewesen sind!

In den letzten Monaten hat sich ein beispielloser antifaschistischer Aufstand entwickelt: Am 24. August schickten tausende von Migranten eine Nachricht an Dendias, dass sie keine Angst vor der Polizei-Operationen “Xenios Zeus” haben; in den Vierteln stellten sich überall Menschen den rassistischen Pogromen entgegen; und am 28.Oktober zeigten tausende von Schülern, Lehrern und Antifaschisten, wer die Straßen wirklich kontrolliert, als sie die Neonazis der Chrysi Avgi zurück in die Kanalisation gejagt haben. “Weder im Parlament noch sonstwo! Nazis raus aus unserer Nachbarschaft”, riefen Tausende in Griechenland.

Jetzt rufen wir alle Arbeiter und Jugendlichen, alle Intellektuelle und Künstler, die Menschen migrantischer Viertel, die Gewerkschaften, Studentenorganisationen, SchülerInnen, die Gemeinderäte, die Ausschüsse gegen Rassismus und Faschismus, die Kollektive des Widerstands und die Volksversammlungen dazu auf, die nationale Demonstration am 19. Januar in Athen zu unterstützen, um in der Stadt, die einst eine entschlossene Botschaft gegen die Nazi-Besatzung schickte, heute wieder eine Botschaft des Widerstands auszusenden – gegen die rassistischen Mörder der Neonazis und gegen die Memoranden der Troika.

Für den 19. Januar fordern wir die internationale Solidarität mit unserem antifaschistischen Kampf. Unterstützt uns mit einer Teilnahme an der Athener Demonstration und mit antifaschistischen Aktionen rund um die Welt vor den griechischen Botschaften.

Saturday 19/1 Athens, Anti-fascist city
National demonstration, Omonia Square, 2pm
Concert, Syntagma Square, 4pm

Sag es mit einem Lied …
Nazis raus! Nein zu Internierungslagern! Staatsbürgerschaft für alle Kinder von MigrantInnen!

Dieser Aufruf wird bisher von folgenden Gruppen unterstützt:
Movement United Against Racism and Fascist Threat (KEERFA), Panhellenic Federation of Artists and Entertaiment (POTHA), Intellectuals and Artists, Theatre “EMPROS”, Initiative “MAVILI” (Artists), Union of Immigrant Workers, Pakistani Community of Greece, Afghan Community of Greece, Open School of Immigrants in Piraeus, Egyptian Community, Union of United Afghan Refugees in Greece, Iranian Political Refugees Union, Antifascist Group of Albanian Immigrants, Union of Syrians in Greece, ASANTE (African immigrants in Greece), Trade Unions, Teachers’ Local Unions, Hospital Workers unions, Local and peripheral councilors, Student associations, School pupils.

Mehr Informationen:
http://athensantifa19jan.wordpress.com/international