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Für
widerständige Kommunen – wer die LINKE wählt, wählt sich selbst.
(Zum Selbstverständnis linker Kommunalpolitik)
1.
Das Leben in der Kommune ist für den größten Teil der Menschen der
wichtigste Bezugspunkt des persönlichen und sozialen Lebens. Er ist ähnlich
wichtig und damit eng verbunden, wie das Leben in und mit der Familie
oder Partnerschaften. Die wichtigsten Wünsche an ein gutes Leben
konzentrieren sich auf die Kommune: Bezahlbarer und komfortabler
Wohnraum; ausreichend, gute und sichere Arbeitsplätze; wenig
Verkehrsbelastung und Lärm; eine intakte Umwelt und gut erreichbare
Naherholungsgebiete; ein dichtes Nahverkehrssystem mit niedrigen
Fahrpreisen und einfachen Netztarifen; gute Schulen und
Kindereinrichtungen; ein dichtes Versorgungsnetz im Gesundheitswesen;
vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, kurze Wege, vielfältige und
bezahlbare Kultur- und Sportangebote für alle Alters- und
Interessengruppen; bürgernahe Behörden und gebührenfreie Verwaltung;
kostenlose und sichere Abfallentsorgung; umweltfreundliche und sichere
Energieversorgung. Die LINKE kämpft für das gute Leben und
deshalb liegt der Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit in der Kommune.
Die LINKE ist keine Stellvertreterpartei, sondern ein Angebot an alle,
die sich wehren wollen und wehren müssen, es gemeinsam zu tun.
2.
Die Wirklichkeit in den Kommunen ist jedoch weit davon entfernt, sich an
diesen Wünschen und Bedürfnissen der Menschen zu orientieren. Die
bisherige Kommunalpolitik ist nur das letzte Glied einer verhängnisvollen
Kette von angeblichen Sachzwängen der kapitalistischen Marktwirtschaft.
Das kommunale Leben soll möglichst kostengünstig verwaltet, die
Europa-, Bundes- und Landesvorgaben geräuschlos umgesetzt und das
gesamte Leben den Erfordernissen der Marktwirtschaft und privaten
Profitinteressen untergeordnet werden. Die kommunale Selbstverwaltung
und eine wirtschaftliche Unabhängigkeit sind nur hohle Phrasen und
werden jeden Tag und überall von der Wirklichkeit konterkariert. Die
Kommunen werden finanziell ausgeblutet und wirtschaftliche Eigenaktivität,
alternative Produktionsformen und kulturelle Selbstbestimmung werden
durch Gesetze, Verordnungen und gegebenenfalls auch ideologische
Kampagnen im Keim erstickt. Wie immer sind die Menschen mit geringen
Einkommen und sozial Ausgegrenzte die größten Leidtragenden dieser
Verhältnisse: Arme, alte Menschen, Kinder, Frauen und MigrantInnen.
Millionenfach wird den Menschen die Chance genommen, nach ihren Bedürfnissen
und Fähigkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Geringe
Wertschätzung und Förderung erhalten auch die kleinen
Gewerbetreibenden, Dienstleister und Selbständigen. Vorfahrt haben die
Konzerne, Reichen und Einflussreichen.
Die LINKE
ist angetreten, sich mit diesem zentralen Widerspruch im kommunalen
Leben nicht abzufinden. Sie unterwirft sich gerade in der Kommune nicht
den aufgezwungenen Spar- und Sachzwängen. Die LINKE wird in ihrer
Politik diesen Gegensatz von dem, was möglich ist und dem, was
Wirklichkeit ist, immer wieder aufdecken und mit allen Menschen, die
sich ihr anschließen und mit allen, die daran Interesse haben, eine
andere Art von kommunalem Leben fordern. Die LINKE will eine umfassende
kommunale Selbstverwaltung mit informierten und engagierten
Einwohnerinnen und Einwohnern. Die LINKE will widerständige Kommunen
mit widerständigen und selbstbewussten Bürgerinnen und Bürgern.
3.
Der politischen Selbstverwaltung der Kommunen wird von den Menschen zu
Recht misstraut. Die bisherige Kommunalpolitik wird als das
wahrgenommen, was sie ist: hilflos den wirklich mächtigen Strukturen
– den privaten Unternehmerinteressen, der Verwaltungsbürokratie und
den Landes- und Bundespolitikern - ausgeliefert, kompetenzlos und
finanziell abgewürgt. Die Akteure der Kommunalpolitik aus den
etablierten Parteien werden als einseitig Interessen geleitet
betrachtet, die regelmäßig von Korruptionsaffären, Parteiengerangel
um Posten und persönliches Karrierestreben und damit von der
Wirklichkeit eingeholt werden. Die viel beschworene
"Politikverdrossenheit" speist sich jeden Tag durch die realen
Verhältnisse in den Kommunalvertretungen. An den Kommunalwahlen nehmen
immer weniger Menschen überhaupt teil. Die politischen Vertreter in den
Kommunen sind samt und sonders Minderheitenpolitiker. Die größte
Partei ist inzwischen die der NichtwählerInnen.
Die LINKE
wird sich an diesem System nicht mehr beteiligen, als es die
unmittelbare Interessenpolitik für die Mehrheit der Menschen erfordert.
Die LINKE kämpft für eine echte Selbstverwaltung und des selbst
bestimmten kommunalen Lebens. Dazu zählt eine umfassende Reform der
Staatsfinanzen und eine radikale Neuaufteilung des Steueraufkommens
zugunsten der kommunalen Ebene. Dazu zählt der Erhalt und qualitative
Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge. Dazu gehört die
Tarifgebundenheit ihrer Beschäftigten.
Die
wichtigsten Bedürfnisse der Menschen nach Gesundheitsversorgung,
Ausbildung, sinnvoller Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche,
Mobilität, Energie- und Abfallwirtschaft lassen sich nicht durch
privatwirtschaftlich betriebene Unternehmen erfüllen. Sie dürfen nicht
von der individuellen Zahlungsfähigkeit abhängig sein. Unsere
Richtschnur für solche Bedürfnisse ist die Verfügbarkeit für alle
und der Schutz der Beschäftigten; Richtschnur für Privatbetriebe ist
die Verfügbarkeit für diejenigen, die möglichst viel bezahlen können
und die Verdichtung der Arbeit und Reduzierung der Personaldecke, weil
nur so der private Profit gesichert werden kann. Dieser Widerspruch führt
zu regelmäßigen Interessenkonflikten zwischen der Mehrheit der Bürgerinnen
und Bürger und der Verwaltung und den privaten Unternehmen. Die LINKE
ist in diesen Konflikten nicht neutral. Sie steht auf der Seite der
Menschen, die sich für ihre berechtigten Alltagsbedürfnisse einsetzen.
Die LINKE steht besonders auf der Seite der Benachteiligten und
Einflusslosen.
4.
Die LINKE hat sich gegründet und nimmt an Wahlen teil, um all denen
eine Stimme zu geben, die verschwiegen und übergangen werden. Ihr
zentrales Projekt ist nicht weniger als "Jetzt wählen wir uns
selbst". Die LINKE will die Demokratisierung der Demokratie.
Sie will die demokratische Beteiligung und Teilhabe aller Einwohnerinnen
und Einwohner. Die LINKE macht keine leeren Versprechen und keine
Stellvertreterpolitik. Gerade in der Kommune wird nur etwas zu bekommen,
zu gestalten und zu verteidigen sein, wenn es genügend öffentlichen
Druck gibt, wenn sich die Menschen für die Durchsetzung ihrer Belange
mobilisieren. Die LINKE wird sich deshalb vorrangig um die Menschen im
Stadtteil und in den Betrieben, an Schulen, Universitäten und öffentlichen
Einrichtungen kümmern. Sie wird sich dort organisieren und für eine
widerständige Politik aufstellen. Die Vertreter der LINKEN in den
Räten. Bezirksvertretungen, Kreistagen werden sich nicht bereichern,
sich nicht am Parteienklüngel beteiligen, sondern sich ausschließlich
an der Seite der Bevölkerung engagieren: Programmatisch fest, selbstlos
und zuverlässig. Die LINKE ermutigt, unterstützt und initiiert in
diesem Sinne vielfältige Aktivitäten der Selbstbestimmung und des
Widerstands. Die LINKE will bürgerschaftliche Beiräte auf allen
wichtigen Handlungsfeldern der Kommunalpolitik. Sie will umfassende Bürgerbeteiligung
auch und gerade in Haushaltfragen. Die LINKE steht an der Seite von
Verkehrs-, Umwelt-, Erwerbslosen-, schulpolitischen-, Friedens- und
emanzipatorischen Initiativen und Gruppen, ohne sie zu bevormunden oder
in ein Korsett von Sachzwängen zu pressen. Sie setzt sich für eine
hochwertige Kultur für Alle ein. Sie steht an der Seite der
eingewanderten Bevölkerung, der Flüchtlinge und Menschen ohne Papiere
– für Integration und Gleichstellung und eine Politik der
ausgestreckten Hand. Sie kämpft für eine barrierefreie Stadt nach dem
Grundsatz: „Behindert ist niemand, Menschen werden behindert“. Sie
setzt sich für die Belange der Seniorengeneration ein, für ein würdevolles
Leben im Alter, gegen Ausgrenzung und Vereinsamung.
Diese
Politik der Selbstbestimmung und des Widerstands ist bunt, radikal und
auch widersprüchlich. Sie entspricht in keiner Weise den glatten
Konzepten und technokratischen Modellen all der anderen Parteien. Aber
sie hat all den anderen etwas voraus: sie ist Leben. Links schlägt
nicht nur das Herz, links ist die Zukunft.
Thies
Gleiss (Köln), Hermann Dierkes (Duisburg), Gabi Rosinski (Mülheim),
Armin Kligge, Dieter Keller (Solingen), Ute Abraham (Duisburg, Thomas
Keuer (Duisburg), Brunhilde Stümpler (Mülheim), Wolfgang Huste
(Siegburg), Inge Höger (Herford), Jürgen Aust (Duisburg), Werner Ley
(Köln), Dieter Braeg (Mönchengladbach), Claus Ludwig (Köln), Gerhard
Militzer (Köln), Kemal Bozay (Köln), Dietmar Liebtanz, Rainer
Wisnewski (Dortmund), Angela Bankert (Köln), Marc Mulia (Duisburg),
Marc Treude (Aachen), Ralf D. Lange (Bochum), Erkan Kocalar (Duisburg),
Brigitte Diesterhöft (Duisburg) Marlies Lenzen (Duisburg) |